Ich höre Infraschall

Forschung & Detektion

Vom ersten Spektrogramm auf dem Handy bis zum weltweiten Netz synchronisierter Messstationen.

Das Ziel: vom Zeugnis zur Messung

Persönliche Berichte sind der Anfang jeder Untersuchung des Brummtons — aber sie können nicht ihr Ende sein. Die Frage „Was erzeugt dieses Geräusch?" werden nur Instrumente beantworten: Aufnahmen, die den Ton auf einem Bildschirm zeigen, Zeitstempel, die sich zwischen Städten vergleichen lassen, Spektrogramme, die beweisen, dass das Signal außerhalb eines Kopfes existiert.

Diese Seite sammelt, was die Community über die Detektion von tieffrequentem Schall und Infraschall gelernt hat, und beschreibt das Flaggschiffprojekt des Portals: ein Netz synchronisierter Messstationen zur Ortung der Quelle per Triangulation. Wenn du etwas gebaut hast, das funktioniert, teile es in der Kategorie Detektion & Hardware — bewährte, reproduzierbare Aufbauten werden hier ergänzt.

Warum dein Handy (meist) versagt

Ein Handymikrofon ist für Sprache gebaut. Unterhalb von etwa 80–100 Hz bricht seine Empfindlichkeit ein und das Eigenrauschen dominiert — genau in dem Band, in dem der Brummton lebt. Handy-Apps (Spectroid auf Android oder ein beliebiger FFT-Analyzer) sind trotzdem einen Versuch wert als erster Blick: Wenn eine stabile Spektrallinie um 30–80 Hz im Gleichtakt mit dem erscheint und verschwindet, was du hörst, ist das bereits ein wertvoller Beleg. Aber ein stummes Handy-Spektrogramm beweist nichts. Für ernsthafte Arbeit braucht es bessere Sensoren.

Sensoren, die im Brummton-Band funktionieren

Rauscharme Messmikrofone. Entscheidend sind das Eigenrauschen bei tiefen Frequenzen und ein Frequenzgang deutlich unter 20 Hz. Beliebt in der Community sind Elektretkapseln wie die Primo EM172/EM272, unter Naturaufnehmern gerade wegen ihres sehr geringen Eigenrauschens geschätzt, angeschlossen an einen Rekorder mit abschaltbarem Hochpassfilter. Kompakte Alternative: MEMS-Messmikrofone (z. B. Infineons rauscharme IM7x-Serie).

Geophone. Ein Geophon (z. B. das allgegenwärtige Element SM-24, Eigenfrequenz ~10 Hz) misst Bodenschwingung statt Luftdruck. Dieser Unterschied ist mächtig: Zeigt ein im Garten vergrabenes Geophon dasselbe Muster wie das, was du hörst, hat das Phänomen eine seismische/strukturelle Komponente; sieht es das Mikrofon und das Geophon nicht, ist es luftgetragen. Beide gleichzeitig laufen zu lassen ist das aufschlussreichste Experiment, das ein Einzelner machen kann.

Infraschallsensoren und Bürgerseismographen. Der Raspberry Shake & Boom kombiniert ein Geophon mit einem Infraschall-Drucksensor auf einem Raspberry Pi, lädt Daten in ein öffentliches weltweites Netz hoch und ist das seriennächste Produkt zu dem, was dieses Projekt braucht. Differenzdruck-Infraschallmikrofone (wie bei der Überwachung von Vulkanen und Windparks) decken das Band unter 20 Hz ab.

Die Aufnahmekette. Jedes ordentliche USB-Audiointerface mit 44,1 kHz Abtastrate oder mehr genügt — tiefe Frequenzen sind für moderne Wandler trivial. Wichtig: Eingang ohne Bassbeschneidung (Low-Cut aus), Verstärkung so, dass das Rauschen des Sensors dominiert, nicht des Interfaces, und lange Aufnahmen (ganze Nächte) — bei den unregelmäßigen Aussetzern des Brummtons verpassen kurze Proben das Signal.

Das Aufgenommene analysieren

  1. Zuerst das Spektrogramm. Audacity (kostenlos) oder Raven Lite: Fensterlänge 8–32 s für gute Tieffrequenzauflösung. Suche eine anhaltende schmale Linie zwischen 30 und 80 Hz.
  2. Mit den Ohren korrelieren. Führe während der Aufnahme ein einfaches Protokoll: Notiere, wann du den Ton hörst und wann er abbricht. Der Gründer dieses Portals beschreibt das zu suchende Muster: ein gleichmäßiger tiefer Ton mit unregelmäßigen, unsynchronisierten Unterbrechungen — mal Minuten des Brummens, mal ein kurzes Stück. Stimmen deine notierten Zeiten mit Liniensegmenten im Spektrogramm überein, hast du einen Beleg.
  3. Das eigene Haus ausschließen. Wiederhole mit ausgeschaltetem Hauptschalter (batteriebetriebener Rekorder) und draußen, weit weg von Gebäuden. Ein Signal, das beides übersteht, ist nicht dein Kühlschrank.
  4. Orte vergleichen. Dieselbe Nacht, dieselbe Hardware, eine andere Stadt — Unterschiede in Pegel oder Präsenz sind Daten.

Das Flaggschiff: ein synchronisiertes Triangulationsnetz

Eine Station beweist, dass ein Signal existiert. Mehrere Stationen mit synchronisierten Uhren können seine Quelle orten. Das Prinzip — Laufzeitdifferenz (TDOA) — ist dasselbe, mit dem Seismologen Erdbeben lokalisieren und Infraschall-Arrays ferne Explosionen detektieren:

  1. Identische Stationen (Sensor + Einplatinencomputer) nehmen kontinuierlich auf.
  2. Jeder Messwert erhält einen Zeitstempel via NTP, besser GPS-diszipliniert (Millisekunden-Genauigkeit oder besser; Schall legt in Luft ~343 m pro ms zurück, im Boden ~3–6 km/s).
  3. Erscheint dasselbe Signal an mehreren Stationen, liefert Kreuzkorrelation die relativen Verzögerungen.
  4. Verzögerungen von drei und mehr Stationen grenzen Richtung und Entfernung der Quelle ein.

Stationen in verschiedenen Ländern — Slowakei, Tschechien, Ungarn, Griechenland, Deutschland und darüber hinaus — würden die größte offene Frage direkt beantworten: Ist der Brummton eine Quelle, mehrere regionale Quellen oder etwas, das gar keine sich ausbreitende Quelle hat? Jedes Ergebnis, auch das Nullergebnis, ist wissenschaftlich wertvoll.

Genau das finanzieren die Spenden: Sensoren, Platinen, Gehäuse und die Zeitsynchronisations-Hardware für Stationen bei Freiwilligen aus der Community. Alle Entwürfe, Konfigurationen und gesammelten Daten werden offen auf diesem Portal veröffentlicht.

Mach mit

  • Du hast Aufnahmen oder einen funktionierenden Aufbau? Poste die Details — Sensormodell, Interface, Einstellungen, Spektrogramme — in der Community. Reproduzierbarkeit ist alles.
  • Du kannst eine Station beherbergen? Ein ruhiger Ort, ein paar Watt Strom und ein Netzanschluss genügen. Registriere dich und erwähne es in deinem Profil oder einem Beitrag.
  • Du hast Fähigkeiten? Signalverarbeitung, Elektronik, Embedded Linux — die Analyse-Pipeline entsteht offen.

Der Brummton hat fünfzig Jahre des Abwiegelns überlebt. Ein Netz synchronisierter Mikrofone wird er nicht überleben.